Pt. 2/2
Deutlich schlechter - zumindest sportlich - hat es unseren ehemaligen Top-Joker Semih Güler erwischt, der (erneut) den Schritt in die zweite Liga gewagt hat, bei seinem neuen Verein Darmstadt allerdings nur auf 4 Einsätze mit insgesamt 18 Minuten Spielzeit kommt. Ich hoffe, dass sich diese Spielzeit für Semih wenigstens finanziell gelohnt hat, denn sportlich war das ein verschenktes Jahr. Wohin es den bald 29-Jährigen im Sommer verschlägt, ist Stand jetzt noch offen - dass er Darmstadt verlässt, steht jedoch fest, sein Vertrag läuft aus. Gegen eine Rückkehr auf die Schäl Sick hätte ich persönlich nichts, denn seinen Stürmertyp haben wir aktuell ja nicht im Kader. Eine gewisse Verbundenheit scheint zumindest noch zu bestehen, denn im Frühjahr (müsste vs. 1860 oder Wiesbaden gewesen sein) hab ich ihn noch im Sportpark gesehen.
Bilanz: 4 Einsätze (4x Liga), 18 Minuten, 0 Tore, 0 Vorlagen
Auch für unseren Ex-Keeper Dudu hat sich der Weg in eine erste Liga noch nicht so recht bezahlt gemacht. Sicherlich inspiriert durch Lopes Cabral ging es für den 27-Jährigen im Winter zu Estrela Amadora, die sich ja reichlich aus der 3. Liga bedient haben (neben Cabral u. a. Scholze aus Ulm, Onuaho vom FC/Verl, Moustier aus Essen). Einen Einsatz konnte Dudu noch nicht verzeichnen, immerhin in sieben von 14 möglichen Spielen hat er es in den Kader als Nummer zwei geschafft. Allerdings ist die Tendenz da eher negativ, in den letzten acht Partien stand nur noch zwei mal im Kader. Sicherlich kann sich seine Situation auch fix verändern, denn einerseits ist die Nummer eins schon 36, andererseits ist Amadora extrem aktiv auf dem Transfermarkt und dürfte auch im Sommer wieder etliche Bewegungen verzeichnen.
Bilanz: 0 Einsätze
Deutlich besser hat es Enrique Lofolomo getroffen, der nach seiner Breakout-Season bei der Viktoria den Schritt nach Belgien zu Aufsteiger Zulte Waregem gewagt hat. Nachdem er zunächst vor allem von der Bank kam, konnte er sich zum Jahreswechsel hin zunehmend etablieren und mehr Spielzeit sammeln, wobei er neben dem defensiven Mittelfeld auch einige Male in der Innenverteidigung aushalf. Zum endgültigen Stammspieler avancierte er schließlich während der in Belgien abgehaltenen Abstiegs-Playoffs. Lofolomo durfte in fünf der sechs Partien starten und kam im letzten Spiel auch schon zur Halbzeit rein. Waregem entging dem Abstieg zugleich souverän, indem man fünf Siege und ein Unentschieden aus den sechs Partien sammelte. Insofern konnte sich nach Said und Lopes Cabral ein weiterer Ex-Viktorianer in einer europäischen Top-10 Liga etablieren.
Bilanz: 23 Einsätze (16x Liga, 6x Play-Offs, 1x Pokal), 1.400 Minuten, 0 Tore, 2 Vorlagen (1x Liga, 1x Play-Offs)
Einige Spieler aus der zweiten Reihe haben hingegen einen Schritt zurück in eine der Regionalligen gewählt. Zu ihnen gehört Moritz Fritz, der - nachdem er in seinem letzten Viktoriajahr nur noch 48 Ligaminuten gesammelt hatte - in Jena direkt zum absoluten Leistungsträger wurde. Nach starkem Finish wäre Carl Zeiss ja beinahe noch der Einzug ins Play-Off Spiel gegen Würzburg geglückt, allerdings hat (u. a.) der Nichtangriffspakt zwischen Lok und Greifswald das verhindert. Insofern heißt es für Fritz und Jena, in der kommenden Saison wieder anzugreifen. Dann hält die Regio Nordost immerhin wieder einen direkten Aufstiegsplatz, aber sicherlich wird auch Lok endlich den Traum von Liga drei realisieren wollen.
Bilanz: 35 Einsätze (31x Liga, 4x Landespokal Thüringen), 2.899 Minuten, 3 Tore (alle Liga), 4 Vorlagen (alle Liga), 14 Gelbe Karten (13x Liga, 1x Pokal)
Gleich zwei Spieler sind unserem Ex-Coach Olaf Janssen nach Sandhausen gefolgt - und waren dabei individuell unterschiedlich erfolgreich. Luca De Meester durchlief die U19 der Viktoria und brachte es für die Profis auf immerhin 40 Einsätze (5 Tore/2 Vorlagen) - zum Stammspieler reichte es in Höhenberg aber nicht. Das ist ihm in Sandhausen bislang auch noch nicht gelungen. Nur einmal durfte er über 90 Minuten auf dem Feld bleiben, ansonsten kam er meist von der Bank. Nach Janssens Rauswurf Ende März nahm seine Spielzeit dann auch weiter ab, unter Neutrainer Stotz kam er seither auf nur noch 84 Minuten, verteilt auf fünf Einsätze. Gut möglich, dass er ohne Janssen nun schon wieder den großen Ambitionen in Sandhausen zum Opfer fällt, gerade offensiv hat man sich dort schon mit gleich vier Spielern zur neuen Saison verstärkt.
Bilanz: 26 Einsätze (23x Liga, 2x Landespokal Baden, 1x DFB-Pokal), 980 Minuten, 3 Tore (alle Liga), 0 Vorlagen
Für Kwabe Schulz lief es indes sowohl unter Janssen als auch unter dem neuen Trainer Stotz gut. Er stand in 33 von 34 Spielen über die vollen 90 Minuten auf dem Platz und verpasste nur eine Partie aufgrund einer Gelbsperre. Schulz scheint sich also prima entwickelt zu haben und dürfte eine zentrale Rolle in Sandhausens Aufstiegsplänen spielen.
Bilanz: 37 Einsätze (33x Liga, 3x Landespokal Baden, 1x DFB-Pokal), 1 Tor (Liga), 3 Vorlagen (2x Liga, 1x Landespokal)
Last but not least haben wir mit Jonah Sticker einen vierten Spieler, der es (ein Jahr später) in die erste Liga geschafft hat! Recht spät im Transferfenster wagte Jonah den Schritt nach Ostwestfalen, wo er zunächst vor allem den Backup für die linke Seite und teilweise die IV gab. Begünstigt durch die Verletzung von SCP-Kapitän Obermair steigerte sich seine Spielzeit im zum Ende der Saison allerdings deutlich. Insofern durfte er auch das erste der beiden Relegationspartien gegen Wolfsburg über (fast) die volle Distanz bestreitet. Aufgrund einer sehr späten (90+2 und 90+4) Gelb-Roten Karte verpasste er dann folglich jedoch das Rückspiel. Da seine Teamkollegen das kleine Fußballwunder bekanntlich dennoch vollenden konnten, steht Sticker nun also mit dem SCP vor der sicherlich großen Herausforderung, die Klasse in der Bundesliga zu halten.
Bilanz: 25 Einsätze (22x Liga, 1x Relegation, 1x DFB-Pokal, 1x zweite Mannschaft), 1.049 Minuten, 0 Tore, 0 Vorlagen
Insgesamt zeigt sich anhand dieser Übersicht, wie viele gute Verpflichtungen in den vergangenen Jahren dabei waren. Gleich vier Ex-Spieler zeigen ihr Können nun in europäischen Topligen, Said und Lopes Cabral haben sogar international von sich reden gemacht. Und auch viele andere Ex-Spieler zeigen zumindest, dass sie verlässliche 3. Ligaspieler mit teils auch noch Potenzial für mehr sind (z. B. May, Lobinger). So richtig enttäuschend waren eigentlich nur die Transfers von Güler und (bislang) Dudu. Gespannt bin ich kommende Saison vor allem auf Malek und Keita. Hoffentlich können beide nach verletzungsgeplagten Spielzeiten zeigen, was in ihnen steckt.