Neuer Torwart spielte schon beim FC: So kam Daniel Mesenhöler zu Viktoria Köln

Daniel Mesenhöler im Union-Trikot Foto: Peter Steffen/dpa

Köln - Eine Karriere als Turner kam für Daniel Mesenhöler nicht in Frage. Spätestens mit fünf Jahren wechselte der Junge aus der Turnriege des TuS Othetal in die Fußball-Abteilung des kleinen Vereins im oberbergischen Bergneustadt. Und irgendwann wurde ihm klar: Ich möchte unbedingt Torwart werden. Der vor gut zwei Wochen zum Drittliga-Aufsteiger FC Viktoria Köln gewechselte Keeper erinnert sich an seine ersten Gehversuche zwischen den Torstangen zurück und sagt: „Gut, dass ich damals hauptsächlich auf Rasen spielen konnte. Das war schon angenehmer als Asche.“ Weil der Heranwachsende offenbar über das nötige Talent im Fangen von Fußbällen verfügte, wurden schnell die Späher des 1.FC Köln auf Daniel Mesenhöler aufmerksam.

Der in Engelskirchen geborene Schlussmann erhielt mit zwölf Jahren eine Einladung zum Probetraining und wechselte schließlich in die U 13 vom FC. Die Umstellung entwickelte sich weniger für den Jungen als für dessen Eltern zu einer organisatorischen Herkulesaufgabe: „Für sie war es natürlich eine riesige Herausforderung, mich täglich zum Training nach Köln zu fahren“, bemerkt Mesenhöler rückblickend. Spätestens, als der Blondschopf 16 Jahre alt wurde, waren das Elterntaxi und der Fahrdienst vom FC Geschichte: Als Schüler zog der junge Mann ins FC-Internat mit Blick auf das Rhein-Energie-Stadion. Heimweh verspürte Mesenhöler zu jener Zeit kaum: „Dass ich von zu Hause ausgezogen bin, war für meine Eltern schlimmer als für mich“, meint der einstige deutsche Junioren-Nationalspieler (15 Einsätze).

26 Spiele für Union Berlin

Mit Beginn der Volljährigkeit unterschrieb der Junge aus dem Oberbergischen seinen ersten Profivertrag. Als dritter Torwart bei den Lizenzspielern trainierte er mit etablierten Keepern wie Timo Horn und Thomas Kessler – zum Einsatz bei den Profis langte es für den 1,88 Meter großen Tormann aber nicht. Vielmehr waren an den Wochenenden die Stadien der Regionalliga sein tägliches Brot – für Mesenhöler kein Problem: „In der U 21 zu spielen, war eine gute Lösung, weil ich mir auf diese Weise Spielpraxis holen konnte.“ Die erhielt der inzwischen 21-Jährige auch im März 2017, jedoch auf einem höheren Niveau. Im Sommer zuvor war Mesenhöler zu Union Berlin in die Zweite Liga gewechselt, seine Premiere im Tor von „Eisern Union“ war auf Anhieb ein Höhepunkt: „Wir haben im DFB-Pokal bei Borussia Dortmund gespielt. Es war ein mega Erlebnis für mich, in diesem Stadion zu sein“, beschreibt der Torwart die Partie, in der er trotz des Berliner Ausscheidens nach Elfmeterschießen zum alles überragenden Spieler avancierte. Den ersten Schuss von Mario Götze habe ich sofort rausgeholt. Leider haben wir später alle Elfmeter verschossen.“

26 Mal lief Mesenhöler für den Bundesliga-Aufsteiger auf, wurde unter Jens Keller in Berlin-Köpenick die Nummer eins, wechselte zu Beginn der letzten Saison aber zum damaligen Liga-Konkurrenten MSV Duisburg. Der Ort für das Comeback in Liga zwei hätte pikanter kaum gewählt werden können, wie Mesenhöler verrät: „Ausgerechnet bei Union Berlin habe ich für den MSV debütiert. Leider haben wir in allerletzter Minute das 2:2 kassiert.“ Fortan war der Keeper Stammtorwart der Meidericher und gehörte zu jener Elf, die in der Hinrunde der letzten Saison beim 1.FC Köln mit 2:1 reüssierte. Mesenhöler entsinnt sich gerne an den Oktober 2018 zurück und sagt: „Es war ein unbeschreibliches Gefühl für mich, im Rhein-Energie-Stadion einlaufen zu dürfen. Abend-Spiel, 50.000 Zuschauer. Und viel zu tun hatte ich auch.“

Trotz guter Leistungen wurde im Winter Felix Wiedwald zur neuen Nummer eins in Duisburg befördert – vor einigen Wochen unterzeichnete der 83 Kilogramm schwere Fußballer ein Arbeitspapier beim FC Viktoria. Daniel Mesenhöler freut sich auf die Aufgabe beim Aufsteiger, hält sich mit Kampfansagen aber zurück: „Zunächst müssen wir uns als Mannschaft finden“, fordert Kölns neuer Keeper. „Eigentlich können wir ja befreit aufspielen, weil die Viktoria im Gegensatz zu den letzten Jahren keinen Druck hat, aufsteigen zu müssen.“ Und falls Mesenhöler das Rennen um den Platz im Viktoria-Gehäuse gewinnt und ähnlich gut hält wie einst in Dortmund, muss dem FC Viktoria Köln nicht bange sein vor seiner ersten Drittliga-Saison.


Von Oliver Löer 10.07.19 12:46

Quelle: ksta.de